Über uns

Chronologie
Der heutige ‚Ruder-Club 1881 e.V.‘ ist aus diversen rudersportlichen Aktivitäten unserer Stadt hervorgegangen. Weder Gründungstag, -urkunde oder Beteiligte sind heute noch zu recherchieren; aber die wesentlichen Daten der frühen Existenz sowie der Entwicklung des Rudersports in Traben-Trarbach sind durch vielerlei Presseberichte belegt. Der Rudersport war in seinen Anfängen – allein schon wegen des teuren Rudergerätes – gewiss noch kein Breitensport und folglich eher den begüterten Kreisen zugänglich. Giselher Castendyck hat in seiner umfangreichen Darstellung des Vereinswesens in der ‚Geschichte der Doppelstadt‘ von 1984 geschickt darauf hingewiesen, dass es während der Gründerzeit der Vereine in der Bürgerschaft fein nuancierte gesellschaftliche Unterschiede gab, die sich in der Struktur der Vereine niederschlugen. So wird man auch die vielfachen Wurzeln des Ruderns in unserer Stadt zu verstehen haben. Ihr gemeinsamer Hintergrund ist die Entwicklung des Breitensports in Deutschland. Er kann nicht betrachtet werden ohne Berücksichtigung der politischen Entwicklung auf dem Kontinent in der nach-napoleonischen Zeit und der Bedeutung des Wiener Kongresses mit dem Aufstieg Preußens. Schließlich war es der patriotische Sprachforscher und – später sog. ‚Turnvater‘ – Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852), der bereits 1811 in der legendären Berliner Hasenheide mit seinen Aktivitäten den Grundstein für die nationale Volksertüchtigung durch allerlei Leibesübungen gelegt hatte.

So trägt der ‚Gymnasial Turn- und Ruderverein 1898‘ in seiner Flagge das aus den Buchstaben „F“ gefügte Motto und Turnersymbol Friedrich Jahns “ Frisch- Fromm -Fröhlich -Frei “ Der erst gegründete ‚Trarbach – Trabener Ruderclub‘ sowie die Ruder-Abteilung des ‚Gymnasial Turn- und Rudervereins‘ basierten zweifellos auf großbürgerlichen Initiativen, während der ‚Ruderverein Sponheim‘ sowie der ‚Ruderclub 1910′ eher dem ’normalen‘ Bürgertum zuzurechnen sind. Dabei ist interessant, dass die Gründungsmitglieder des RV Sponheim fast überwiegend au]swärts zugezogene Angestellte hiesiger Unternehmen waren und insofern eine ganz eigene, aufstrebende Gruppe des Bürgertums. Klassenunterschiede im herkömmlichen Sinne sind aber niemals zutage getreten. Dass der Rudersport und seine vereinsmäßige Ausprägung in der Doppelstadt von gesellschaftlich hoher integrativer Kraft und Bedeutung waren – schon ab den Jahren nach dem 1. Weltkrieg – beweisen u .a. die legendären ‚Ruderbälle‘ der damaligen Zeit (zunächst in der Festhalle der ‚Alten Ratsschänke‘, dann im ‚Brauneberg – Saal‘ und schließlich im Barocksaal des ‚Alten Casinos‘).

‚1881 Trarbach-Trabener Ruderklub‘ (Schreibweise auch: ‚Ruder-Club‘) 10. Februar Zeitungs-Notiz Locales: Für den hiesigen Ruderklub traf mit dem Moseldampfschiff am vorigen Sonntag das erste Ruderboot hier ein. Bei dem Vorhandensein tüchtiger Kräfte und ausgezeichneten Fahrwassers (zwischen der Portswiese und der Enkircher Fuhrt) steht eine gedeihliche Entwicklung des Vereines zu erwarten.

23. März Presse-Auszug: (anlässlich der Feierlichkeiten zum Geburtstag unseres Herrn Kaisers‘) Am Abend waren die Ufer des Flusses prächtig beleuchtet und mitten auf dem Strom flog das mit Lampions bekränzte Boot des neuen Ruderklub stromaufwärts und abwärts …

28. März Zeitungs-Bericht Locales: Trotzdem der Trarbach-Trabener Ruderklub erst seit kurzer Zeit existiert, war es den Mitgliedern desselben doch schon möglich, am vergangenen Sonntag eine Fahrt nach Ürzig zu unternehmen. Wer Gelegenheit hatte zu sehen, wie die Ruderer in kleidsamer Vereinstracht mit kräftiger Hand das Boot stromaufwärts trieben, wird gerne zugeben, daß der Verein in kurzer Zeit schon bedeutende Fortschritte gemacht hat. Mit welcher Lust und Eifer die Ruderer zu Werke gingen, beweist wohl am besten der Umstand, daß das Boot um 1 3/4 Uhr hier abfahrend schon gegen halb fünf Uhr in Ürzig ankam und nach 1 1/2-stündigem Aufenthalt daselbst gegen sieben Uhr wieder hier am gewöhnlichen Landungsplatze lag. Wünschen wir dem Trarbach -Trabener Ruderklub ein recht kräftiges Gedeihen

23. April Presse-Bericht: Trarbach. Für unseren Ruder-Club wird wahrscheinlich schon morgen ein elegantes vierruderiges Rasse-Boot eintreffen. Der Vasco da Gama hat einen neuen Anstrich erhalten und mußte er sich bei dieser Gelegenheit eine Umtaufe gefallen lassen. Das Boot wurde ‚Lauretta‘ genannt und soll dem neuen Boot der Name ‚Balduin‘ gegeben werden. Wir finden diese Benennungen nicht ganz richtig. Das Rasse-Boot ist jedenfalls zierlicher und schneller als der frühere Vasco da Gama. Da Lauretta (von Starkenburg) den Bischof Balduin an der Portswiese unterhalb Trarbach anno dazumal überholte, so dürfte es jedenfalls folgerichtiger sein, das Rasse-Boot ‚Lauretta‘ und die jetzige Lauretta ‚Balduin‘ zu benennen.

25. Juni Kaiser-Regatta Bad Ems: Trarbach, wie wir vernehmen, beabsichtigt der hiesige Ruderclub sich an der am 3. Juli in Ems stattfindenden Kaiser-Regatta zu beteiligen. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß der junge Verein sich bereits kräftig genug fühlt, mit schon bei mancher Regatta als Sieger hervor gegangenen Vereinen, den Wettkampf zu wagen.

07. Dezember Gründungs-Versammlung des ‚Mittelrheinischen Regatta-Verbandes‘ in Koblenz unter Beteiligung der Rudervereine aus Bad Kreuznach, Bernkastel, Bingen, Bonn, Gießen, Köln, Traben-Trarbach und Wetzlar.

20. Mai 1882 Der Schriftführer richtet mit dem erstmals dokumentierten Briefkopf des Trarbach-Trabener Ruderclubs an den ‚Wohlgeborenen‘ Bürgermeister Karlowa ein Gesuch mit Situationsplan für den bereits erfolgten Bau eines hölzernen Bootshauses auf dem Gelände der Witwe Fr. Allmacher zwischen Mühlenpfad und Enkircherstraße. Dem Antrag wird stattgegeben mit dem Hinweis, dass in baupolizeilicher Hinsicht insofern nichts entgegensteht, als derselbe nur als ein provisorischer Bretterbau betrachtet werde, der außerdem hinter der Baufluchtlinie liege.

17. März 1883 Gründung des Deutschen Ruder-Verbandes in Köln, der Trarbach Trabener Ruderclub wird im Protokoll erwähnt.

15. Juli Teilnahme an der II. Verbands-Regatta des Mittelrheinischen Regatta-Verbandes in Bernkastel mit ‚Vierriems -Dollen-Rennbooten für Juniors‘. Der Trarbach-Trabener Ruder-Club startete mit dem Boot ‚Wiking‘ gegen die Coblenzer und Metzer Ruder-Clubs. Damit ist belegt, dass der junge Club bereits drei Boote besaß. Im Regattabericht vom 20. Juli heißt es: Der Hauptgrund dafür, daß Trarbach nicht siegte, ist darin zu suchen, daß es mit ungleichen Waffen kämpfte. Die ‚Metis‘ des Metzer Ruder-Clubs ist ein mit allen Feinheiten des modernen Bootsbaues ausgestattetes Boot, dessen Dollen beweglich sind. Dazu kommt noch, daß die Hebel der Riemen wegen der breiten Bauart der ‚Metis‘ bedeutend länger sind als diejenigen des ‚Wiking‘, wodurch das Rudern wesentlich erleichtert wird. Außerdem ist zu berücksichtigen, daß der Metzer Club aus seinen zahlreichen aktiven Mitgliedern solche auswählen konnte, welche an Kraft, Statur und Gewicht einander ziemlich gleich waren. Bei der Trarbacher Mannschaft war dies unmöglich; sie konnte für eines ihrer Mitglieder, welches sich nicht des besten Wohlbefindens erfreute, noch nicht einmal einen Ersatzmann ins Boot setzen.

25. Juni 1884 Teilnahme an der Ruder-Regatta in Metz. Zitat: Einen sehr ernstlichen Kampf bietet nun wieder das achte Rennen (Vierriemige-Dollen-Rennboote für Juniors), in welchem der Düsseldorfer Ruderverein, der riesigen Anstrengung der Trarbach-Trabener ungeachtet (Boot Wiking), mit zwei Bootslängen siegt und den Ehrenpreis der Offiziere erringt.

1898 erweitert sich der 1894 gegründete Gymnasial Turnverein zum ‚Gymnasial-Turn- und Ruderverein‘. In ihm vereinigen sich jetzt die bisherigen Aktivitäten der ursprünglichen Gründerclubs: Trarbach-Trabener RC bzw. RC Traben-Trarbach.

1902 überlässt der Stadtrat unter Bürgermeister van Meenen dem Gymnasial Turn- und Ruderverein einen Platz an der Mosel gegen Zahlung von jährlich 10 Pfennig (!) Anerkennungsgebühr.

1903 Am 9. Febr. stellt der Enkircher Bauunternehmer Carl Bracht im Auftrag des Gymnasial Turn- und Rudervereins des Kgl. Gymnasiums beim Bürgermeisteramt Trarbach den Antrag zum Neubau eines Bootshauses. Den Plänen ist eine Beschreibung beigefügt. Demnach soll das Gebäude von 15,8 x 4,8 m Grundfläche und einer Gesamthöhe von 4,4 m als Holzfachwerk konstruiert, mit gehobelten Brettern verschalt werden und einen ordnungsmäßigen Ölfarbenanstrich erhalten. Das Dach erhält eine Eindeckung von Asphaltpappe.Der Bauerlaubnißschein datiert vom 17. März 1903 und vermerkt eine städt. Eigenthumsparzelle im District Konkel und die vom Stadtverordneten-Collegium gestellten Bedingungen. Die Lage war 22m moselabwärts vom Kellereigebäude der Fa. Franz & Co. an der Provinzialstraße nach Enkirch zwischen den Stationen 17,3 und 17,4.

1908 wurde der Bau des 1903 genehmigten Planes zur Errichtung eines 1. hölzernen Bootshauses am Woog aus Mitteln des königlichen Gymnasiums vollendet.

1909 Der Gymnasial Turn- und Ruderverein hält am 7. Aug. eine ungewöhnliche Regatta ab. Neben Sportbooten geht es auch um ein ‚Fischerrennen‘ mit 4 Bootstypen, bei dem die einheimischen Fischer- und Fährleute Mendgen und Weißkopf die Nase vorn haben. Außerdem siegt Trier beim sog. ‚Schönheitspreis‘. Die Verbundenheit mit der Bevölkerung wird durch die Beflaggung der Häuser, die Preisverteilung auf dem Marktplatz und einen Umzug mit Musik durch beide Stadtteile dokumentiert. Gleichzeitig stellt ein ‚Senior-Ruderer‘ in einem Eingesandt an die Zeitung mit Befriedigung fest, dass durch die Aktivitäten der Jugend der Rudersport endlich nach einem langen Schlaf wieder aufgeweckt worden sei. ‚Es ist halt alles schon einmal da gewesen!‘ vor 1910 Gründung des Rudervereins Sponheim und Erstellung eines Vorläufer-Baues des heutigen Clubhauses am Woog. Über das Gründungsdatum des RV Sponheim liegen widersprüchliche Zeugnisse vor. Während Gymnasial-Altherren-Mitglied Wilhelm Huesgen sich an die Gründung zwischen 1912-14 zu erinnern glaubt, spricht Josef Schmitz in einem Gedächtnisprotokoll zur Gründung des RCTT 1910 davon, dass zu diesem Zeitpunkt der RV Sponheim bereits bestanden habe.

1910 Gründung des Ruderclub 1910 e.V. (mit Bootshalle im Postkeller und neben dem Mönchhof). Erste Schüler-Ruder-Regatta des Gymnasial-Turn-Rudervereins 11. Aug. für Saar, Mosel und Mittelrhein.

1912 Das Jahr 1912 brachte eine Reihe rudersportlicher Aktivitäten…

15. Januar Festabend des Ruderclubs 1910 mit Grundsatzrede des Vorsitzenden W. Sturm

15. März Beitritt des RC 1910 zum Mosel-Saar-Regatta-Verband in Koblenz

10. Juni Teilnahme des RC 1910 an der Regatta des Mosel-Regatta-Verbandes in Trier

08. August Regatta des ‚Alte Schüler-Ruderer‘ -Verbandes durch den Gymnasial Turn- und Ruderverein 01. September Die erstmalige Austragung des Dauerruderns von Bernkastel nach Traben-Trarbach (Ziel Mönchhof) um den später sog. ‚Grünen Mosel-Pokal‘ war ein gesellschaftliches Ereignis (Platzkonzert, Festessen im Hotel Clauss-Feist, Fest-Commers mit Musikbegleitung im Hotel zur Post). Der RC 1910 stellte mit dem Riemenzweier eines der Siegerboote.

06. Juni 1913 Sieg des RC 1910 im Doppelzweier bei Regatta des Mosel-Saar-Regatta-Verbandes in Trier 03. Juni 1914 Baugesuch des Altherren-Verbandes im Gymnasial- Turn- und Ruderverein zum Bau eines massiv gemauerten Bootshauses an der Enkircher Straße (heutiger Standort). Bauunternehmer Palm konnte bereits am 30. Juli der Verwaltung die Fertigstellung anzeigen(!).

07. Juni Beteiligung des RC 1910 an der Regatta in Trier (ein Sieg, ein 2. Platz)

Dann brach der 1. Weltkrieg aus

1917 also im 4. Kriegsjahr (!) wurde eine gut dokumentierte Wanderfahrt des Gymnasial- Turn- und Rudervereins nach Machern durchgeführt (mit mindestens 18 Teilnehmern und 4 Booten). 1920 fand eine Dauerruder-Regatta in Traben-Trarbach statt mit zwei einheimischen Siegen.

1921 Der Ruderclub 1910 e.V. gibt sich eine Satzung sowie eine Geschäfts- und Ruder-Ordnung. Im gleichen Jahr wird das Sponheimer Bootshaus am Woog an den Rhein. -Westf. Regatta-Verband mit Sitz in Duisburg als Verbands-Wanderruderheim ‚Adolf-Sasse-Haus‘ zunächst verpachtet und 1931 verkauft. Adolf Sasse war dortiger Verbandspräsident. Er weilte mit seiner Frau mehrfach in Traben-Trarbach. Ein Rückkauf des Hauses wurde nach langen Verhandlungen erst 1953 möglich.

Juni 1921 Beteiligung des RC 1910 an der Regatta in Trier mit einem Sieg im Doppelzweier mit Steuermann. Anlässlich des Trierer Sieges fand im Hotel Clauss- Feist eine Monatsversammlung statt, deren Protokoll einen schmunzelnden Einblick in den euphorisch – biedermeierlich wirkenden Clubgeist jener Tage gestattet.

1922 Pfingstregatta in Trier, RC 1910 erringt 2. Platz im Vierer.

23. Juli 1922 Der Gymnasial- Turn- und Ruderverein richtet die Regatta des Westdeutschen Schüler-Ruderverbandes aus.

Sept./Okt. 1924 Sieg des RC 1910 im Altherren – Gigvierer bei der Regatta in Trier. Interne Regatta des Gymnasial- Turn- und Rudervereins in Traben-Trarbach. 1926 Planung eines Bootshauses neben dem Mönchhof; dazu hatte der Club ein ca. 1150qm großes Grundstück aus einer Zwangsversteigerung erwerben können. Zusätzlich war mit dem Weingutsbesitzers Louis Haussmann über die Anpachtung eines Geländes auf die Dauer von 20 Jahren verhandelt worden. Zur Finanzierung des kühnen Entwurfs (Siehe Festschrift 1981) hatte man an eine landesweite Lotterie gedacht. Dabei sollten 100.000 Lose à 1,- Mark verkauft werden. Es wurden dabei über anderthalb tausend Preise im Wert von 50.000,- Mark bestehend aus nahezu 30.000 Flaschen Moselwein ‚aus den besten Lagen von Traben-Trarbach‘ ausgelobt. Aber diese optimistischen Pläne des ‚Zehnerclub‘ blieben schließlich unrealisiert.

1930 Der Gymn.-Turn- und Ruderverein richtet mit organisatorischer Unterstützung der beiden anderen Rudervereine am 29. Juni die 5. Schüler-Ruderwettfahrt des westdeutschen Schüler-Ruderverbandes aus.

Am 27.Juli Sieg der Gymnasial-Vierer-Mannschaft gegen Heidelberg und Mannheim in Mannheim.

1933 Enteignung des ‚Adolf-Sasse-Hauses‘ und Überführung in das Eigentum des ‚Reichsbundes für Leibesübungen‘.

1935 Der Ruderverein Sponheim löst sich auf und überträgt sein Vermögen dem Alt-Herren-Verband des Gymnasial- Turn- und Rudervereins; die verbleibenden Mitglieder treten dem Ruderclub bei.

1936 Neue Satzung des RC 1910 im Zuge des zwangsweisen Anschlusses an den ‚Reichsbund für Leibesübungen‘.

1939 – 1941 Gerichtliche Auseinandersetzung über die Lagerung der Boote des RCTT im Postkeller.

1945 Mit dem Kriegsende wird ein großer Teil der Boote durch die franz. Besatzungsmacht nach Zell und Koblenz verbracht, eine teilweise Rückgabe erfolgte erst nach Jahren.

1946 Wiederbelebung des Rudersports nach dem 2. Weltkrieg, zunächst mit der Bezeichnung ‚Ruderverein Traben-Trarbach‘ unter restriktiven Auflagen der französischen Militärregierung. Nachdem schon am

28. Juni im Hotel Brauneberg unter Beteiligung von 32 Ruderern eine Gründungsversammlung stattgefunden hatte, befürwortete Bürgermeister von Ritter im August das Begehren der Ruderer an den ‚Kreisobmann für Sport‘ in Zell, der fünf Monate später die Konstituierung des Vereins – mit französischer Übersetzung – bescheinigte.

1950 In der Präambel der Satzung vom 6. Juni werden die Motive der Vereinsgründung nochmals dargestellt sowie in § 2 die Vereinsfahne beschrieben.

Der 2. Weltkrieg und die Zeit danach
Diese Übersicht der Entwicklung des Ruderns in der Doppelstadt während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts soll nicht beendet werden, ohne die Zeit des Nazitums und die Turbulenzen der Zeit danach zu erwähnen.

Der Sport hatte im 3. Reich der Wehrertüchtigung zu dienen. Kein Wunder, dass die eleganten Sportboote mehr und mehr durch das galeerenartige ‚Kutter-Pullen‘ in der kommandogewaltigen ‚Marine-Hitler-Jugend‘ zu weichen hatte. Dem Ruderclub wurde sein Entgegenkommen zur Lagerung des Marine-HJ-Kutters in dem angemieteten Postkeller schlecht gedankt. Es kam zu Unträglichkeiten, Zitat: „… Es wurden Bootsgegenstände, Riemen, zwei … Telefonapparate vollständig zertrümmert und das Bootshaus dermassen von Seiten der Marine-HJ verlassen, dass der Klub beschlossen hat, der Marine-HJ nicht mehr zu gestatten, im Bootskeller den Kutter unterzustellen, zu reinigen und zu streichen.“ Als das Rudern schließlich Ende der 40er Jahre wieder aufgenommen werden sollte, bat der neue Verein um Rückgabe seiner Boote, seines Barvermögens und des Ruderhauses. So mussten denn die kläglichen Reste des reparaturbedürftigen Bootsbestandes – von der französischen Besatzungsmacht nach Zell und Koblenz entführt – von idealistischen Enthusiasten mühsam stromauf wieder ins Bootshaus am Woog zurück gerudert werden. Leider gibt es von den inzwischen verstorbenen Aktiven außer mündlichen Erinnerungen keine weiteren Dokumente dieser Aktion. Dem Mangel an Booten wollten einige Gymnasiasten seinerzeit mit dem Umbau eines an der Schule zurückgelassenen aerodynamisch geformten Flugbenzin-Ersatzkanisters aus Sperrholz abhelfen, den sie dann auf den Namen ‚Hamurabi‘ tauften. Dieser Eigenbau lag noch bis spät in die 50er Jahre an der Steilböschung unterhalb der Kanuhalle ‚vor Anker‘.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts… In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgte – insbesondere aufgrund der durch die Schiffbarmachung der Mosel entstandene erhebliche Verbesserung der wassersportlichen Voraussetzungen – eine Gründungs- und Konsolidierungsphase der Wassersport treibenden Vereine. Man war bestrebt die Kräfte zu bündeln in der Absicht, die organisatorisch-administrativen und personellen Aufwendungen in Grenzen zu halten, um so Energien freizusetzen, die ausschließlich der sportlichen Betätigung zugute kommen sollten. In Rundschreiben des Vorstandes aus den Jahren 1962/63 liest man u.a. „Die Fusion aller wassersportlichen Vereine … war notwendig geworden, um der … Entwicklung auf der … gestauten Mosel entgegen zu kommen. Unsere Aufgabe ist es, mit wenigen Kräften die Möglichkeiten im Wassersport auszunutzen, vielseitiger zu gestalten und die Ausübung des Sportes mit nur geringen organisatorischen Kräften zu belasten.“ Gleichzeitig erging ein Aufruf um Geld- bzw. Weinspenden. Nach Jahresfrist konnte man befriedigt feststellen: „Das erste Jahr nach der Fusion hat uns nach erfolgreicher Breitenarbeit Lorbeeren des Wettkampfes gebracht. So konnten wir aus den Reihen unserer Jugendlichen den Deutschen Meister im Wasserski-Slalom stellen. Besonders erfolgreich war unsere Jugend der Ruderriege. Unser Jugend-Doppel-Vierer konnte von drei Rennen bei starker Konkurrenz dreimal gewinnen.
Unser Jungmann-Riemen-Vierer hat bei der Langstreckenregatta von Zeltingen nach Traben-Trarbach über eine Strecke von 16km einen Sieg für uns nach Hause gebracht. Auch unsere Kameraden der Fecht- sowie der Wintersport-Abteilung waren mit verschiedenen ersten Plätzen recht erfolgreich. Wir wollen auf dem begonnenen Wege weiterschreiten und können sagen, daß sich die anfänglich etwas umstrittene Fusion wohl voll bewährt hat. Die weitere Entwicklung des Clubs – insbesondere die detaillierte Darstellung seiner einzelnen Abteilungen nach der großen Fusion von 1962 findet sich in der Festschrift von 1981 (zum 100-jährigen Jubiläum). Zurückblickend auf einhundertfünfundzwanzig Jahre wassersportlicher Aktivitäten in unserer Doppelstadt – und hier insbesondere – des Rudersportes, lässt sich mit einigem Stolz feststellen, dass aus dem aus vielfältigen Wurzeln entsprungenen, erwartungsfroh-idealistischen Pflänzchen der damaligen ‚Gründerzeit‘, nach kriegerischen Turbulenzen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ein stabiler Stamm gewachsen ist, der sich in der Fusions- und Konsolidierungsphase der Nachkriegszeit zu einem sturmsicheren Baum entwickeln konnte, an dessen Äste manch hoffnungsvolle Zweige ihre Blüten treiben. Das alles wäre nicht möglich gewesen, ohne den immer wieder neu zu beschwörenden Geist eines demokratischen Gemeinsinnes, dem man sich freiwillig unterordnet, anstatt autoritären Anordnungen gehorchen zu müssen. Es gibt wohl hierfür kein sinnfälligeres Bild als ein Boot mit rhythmischen Ruderern.

1912 sagte der damalige Vorsitzende des RC 1910, W. Sturm in einer Grundsatzrede u. a. „Es ist … in unserer schnellebigen Zeit zur unbedingten Notwendigkeit geworden, daß … Männer … sich durch gesunde, kräftige Leibesübung in der freien Gottesnatur ihre Gesundheit zu erhalten suchen, Geist und Körper stählen … denn gesund an Leib und Seele kann jeder den Kampf mit dem Dasein aufnehmen … nach dem Motto: ‚Nur Übung stählt die Kraft – Kraft ist was Leben schafft, drum übt mit Ernst und Fleiß – denn Leben ist der Preis.'“ AD MULTOS ANNOS! – Auf dass es noch lange Jahre so sein möge! Richard Ochs, 2005

Adolf-Sasse-Haus – Rheinisch-Westfälischer Regattaverband 1905-1930